Vorbemerkungen:
Wer den Film nicht gesehen hat, ist dumm.
Der folgende Text gibt nicht die Handlung
des Films wieder, sondern könnte eher eine
erdachte Parallelhandlung irgendeines
unwichtigen Mitglieds des Fightclubs sein.
Eventuell ist alles eine komische Metapher
für irgendwas. Eventuell ist es nur ein
langweiliger Text über ein Fightclubmitglied.
Erstens: Ihr verliert kein Wort über den Fightclub.
Zweitens: Ihr verliert kein Wort über den Fightclub.
Deshalb bist du hier. Damit du keine Worte verlieren musst. Es ist unnötig, darüber zu reden, man sieht es. Die aufgeplatzten Lippen, das blaue Auge, das Blut unter den Fingernägeln. Dafür machst du das. Wenn man so aussieht, kann dir keiner mehr vorwerfen, du würdest keinen an dich ranlassen. Du hast die Beweise, dass du es tust. Die Wunden sind so offensichtlich, dass keiner mehr wagen würde, es anzuzweifeln. Und wenn du es selbst tust, stellst du dich vor den Spiegel und siehst dir dein geschundenes Ich an. Blau, Grün, Rot. Niemand ist so schön wie du. Gelb, Lila. Bevor die Flecken verschwinden, sind neue da. Schwarz. Deshalb fängst du irgendwann an, Buch zu führen. Keine Wunde soll dir abhanden kommen. Nur die wirklichen Narben sind dir treu. Der Rest verflüchtigt sich. Wie alles. Wie alle.
Dienstag, 27. Mai:
Zweimal gekämpft. Riesiges Hämatom am Rumpf. Schmerzt stark, wenn ich länger stehen muss, eventuell echte Prellung. Wird aber vermutlich schnell abheilen.
Sonntag, 9. Juni:
Kompletter Unterarm aufgerissen. YAY! Bin auf dem Boden langezogen worden. Kampf aber gewonnen.
Montag, 13. August:
Hab mit diesem blonden Bodybuildertypen gerungen. Ist stark, aber langsam.
Linkes Auge komplett zugeschwollen. Rechter Mittelfinger evtl. angebrochen, diversere kleinere Hämatome.
Donnerstag, 6.November:
Das Schwein hat gebissen. ALTER, wie ein Tier!! Linkes Ohr fast ab, wurde im Krankenhaus genäht. Geile Scheiße!
Wenn du dich einsam fühlst, kannst du nachlesen, wie nah dir alle kommen. Dann geht es dir besser. An ruhigen Tagen kannst du dich zurückziehen und deine Wunden pflegen. An den ganz schlimmen machst du Fightclub. So läuft das. Immer. Manchmal reicht ein Fightclub pro Woche, manchmal brauchst du vier/ fünf Mal. Je nachdem, wie groß deine Wunden sind, je nachdem wie sehr es schmerzt. Je nachdem, wie sehr du das Leben gerade spüren musst.
„Tja, das Leben ist hart!“, das haben sie dir damals immer gesagt, wenn etwas nicht so lief, wie du wolltest. Als Vierjähriger hast du einmal trotzig „Aber manchmal ist es auch weich!“ geantwortet, erzählen sie. Dummes, kleines Kind. Das Leben ist eine Faust in deinem Gesicht, ein harter Schlag auf die Brust. Wenn du das Leben wirklich spürst, dann bleibt dir die Luft weg. Wenn du merkst, dass du existierst, dann weil dir alles weh tut. Wenn du sehen willst, dass du etwas kannst, dann legst du denjenigen auf’s Kreuz, der es wagt, sich dir in den Weg zu stellen. Oder du verweigerst es, zum Arzt zu gehen. Das heilt allein, dein Körper kriegt das hin!
Montag, 11. Januar:
Wollt heute einen Neuen zum kämpfen auffordern. Wer neu ist, muss kämpfen. Aber er meinte, er sei schon immer da. Hab ihn noch nie fighten sehen. Dann wieder mit dem Bodybuilder (Michael), wie erwartet gewonnen. Nur aufgeplatzte Lippe und alles n bisschen dick. Fuck.
An den Tagen, an denen du ungewünscht davonkommst, gehst du nochmal raus. Wenn man etwas zerschlägt -oder nein, ihm eine neue Form gibt- kann man seine Kraft auch sehen. Aber nicht spüren. Deshalb ist es nicht so gut, aber es ist immerhin eine Ersatzdroge. Für den Moment.
Mittwoch, 13. Januar:
Der Typ vom letzten Mal war wieder da. Hab ihn zum Kampf mit mir gezwungen. Glotzen ist nicht. Lagen am Ende beide blutüberströmt am Boden. Hab abklopfen müssen! Das erste mal. Alle haben gestarrt. Musste ins Krankenhaus. Nase gebrochen, Gehirnerschütterung. Spucke ständig Blut.
Irgendwann findest du deinen perfekten Gegner. Es gibt für jeden einen. Wenn du einmal gegen ihn gekämpft hast, willst du nie wieder was anderes. Jemand, der dir ebenbürtig ist. So jemandem willst du die Faust so in den Magen rammen, dass sie cartoonmäßig am Rücken wieder rauskommt. Wenn dir ein Gegner so ebenbürtig ist, dann kennst du auch seine Schwachstellen. Sie sind wie deine. Du kannst treffen, zielsicher. Du kannst getroffen werden. Es wirkt. Du kannst nicht mehr genug bekommen. Du wartest nicht mehr, bis du die alten Wunden kaum noch spürst. Jemand kommt so nah an dich ran wie noch niemand zuvor. Du musst ihn festhalten. Fest schlagen.
Samstag, 16. Januar:
Wieder Kampf mit Jonathan (der Neue). Diesmal nicht abgeklopft. Mir lief Blut in die Augen, konnte nicht mehr sehen, wie ich ihn zugerichtet hatte. Aufgeplatze Stirn, mir ist permanent schwindelig und übel. YAY!
Mittwoch, 20. Januar:
Jonathan war heute nicht da, habe ich zu fest geschlagen?
insgesamt ganze 3 Kämpfe, alle langweilig, nur Hämatome und ein verstauchtes Handgelenk (links)
Perfekte Gegner verschwinden nicht einfach. Sie kommen wieder, egal, wie fest du schlägst. Genau wie du immer wieder kommst. Genau wie die Angst immer wieder kommt, dieses Mal zu hart gewesen zu sein. Und dann schlägst du dich in absoluter Regelmäßigkeit mit der gleichen Person. Du liebst die Kämpfe. Vielleicht auch den Gegner. Alles ist wie ein guter Trip, ohne Angst vor Horror. Weil der Horror das Ziel ist. Alles wird zur Routine. Einmal in der Woche reicht jetzt meistens, die Wunden sind groß genug. Es wird zu dem Ritual, dass die Sicherheit gibt. Du gehst hin. Er ist da. Du ziehst ihn aus der Menge. Ihr kämpft. Ihr seid verletzt. Du gehst hin. Er ist da. Du ziehst ihn aus der Menge. Ihr kämpft. Ihr seid verletzt. Du gehst hin. Er ist da. Du ziehst ihn aus der Menge … Anders darf es nicht sein. Er darf nicht die Initiative ergreifen, das wäre falsch. Du weißt nicht warum, aber so ist es.
Samstag, 4. März:
Hat mir den Arm ausgekugelt. Habe ihm evtl den Unterkiefer gebrochen. Verstehe nicht, warum ich seinen Schlägen nicht ausweichen kann wie bei anderen.
Samstag, 11. März:
J.’s Kiefer scheint ok. Meine Schulter schmerzt noch extrem. Habe abklopfen müssen. FUCK!!!!
Nur 2 Hämatome an der Hüfte und Lippe n bisschen dick. Habe gefragt, warum ich seinen Schlägen nicht ausweichen kann, er meinte, er würde mich nie schlagen. wtf?!
Irgendwann beginnst du, an deinem Gegner zu zweifeln. Irgendwas stimmt nicht. Du hasst dich für diese Gedanken. Du hasst ihn für diesen Gedanken. Er ist so etwas wie deine love affair. Wie kannst du ihn so verraten?! Aber du beginnst, ihn zu beobachten. Du verrennst dich in Theorien. Alles passt nicht mehr zusammen. Du musst es wissen. Du wirst der Feind deines geliebten Feindes.
Freitag, 31. März:
Ich kann seinen verfickten Schlägen nicht ausweichen. Warum nicht?
Knie beim Kampf tief aufgeschlagen, kann fast bis auf die Kniescheibe sehen, rechtes Auge zugeschwollen. Diverse Abschürfungen und Hämatome.
Freitag, 7. März:
Ich will ihn besiegen. Er war heute nicht da, keine Lust, mit den anderen zu kämpfen, langweilig!
Donnerstag, 13. März:
Wo ist dieser Fucker?! Fast alle Wunden verheilt, S C H E I ß E!
Ohne Kampf hälst du es nicht aus, du brauchst deinen Gegner. Aber keiner ist Gegner genug. Niemand kann dir das geben, was du brauchst. Die Farben verschwinden. Kein Blau, kein Grün, kein Rot. Warst du diesesmal doch zu hart? Kein Gelb, kein Lila. Diesesmal doch zu hart? Kein Schwarz. Zu hart?
Die treuen Narben fragen dich, warum du ihn ausspionieren wolltest.
Du hast alles kaputt gemacht! Du hast ihm nicht vertraut. Du hast alles kaputt gemacht! Ihr hättet drüber reden können. Du hast alles kaputt gemacht! Warum hast du ihn nicht einfach gefragt? Du hast alles kaputt gemacht! Ihr wart doch immer so glücklich miteinander. Du hast alles kaputt gemacht! Das mit dir und ihm hätte doch immer so weitergehn können. Du hast alles kaputt gemacht! Du hast alles kaputt gemacht! Du hast alles kaputt gemacht!
Donnerstag, 20. März:
Warum bitte macht dieser dreckige Mutterficker alles kaputt ?
Du willst nicht mehr kämpfen. Nicht mit denen. Aber du hälst es nicht aus, dass dich die Menschen auf der Straße für einen von ihnen halten. Du bist nicht wie sie, du willst nicht wie sie sein. Du bist viel verlorener als sie alle zusammen. Viel kaputter. Viel einsamer. Viel stärker.
Du musst etwas tun. Man soll wieder sehen können, dass du die Menschen an dich heran lässt. Wenn die Wunden offensichtlich sind, kann keiner mehr wagen, das anzuzweifeln.
Nachbemerkung:
Vielleicht wird der Text fortgesetzt. Vermutlich nicht!
Flattr habe ich weiterhin nicht. Weil mein Nerdtum
eher so bei minus dreiunzwanzig liegt und ich sowas
also nicht kann, nichtmal mit Erklärung.
Pech für die Kuh Elsa!
Außerdem bin ich eine Attentionwhore und will endlich
mal wieder, dass ihr mir in den Kommentaren sagt,
wie geil ich bin. Das ist auch besser als die Eineurofuffzich,
die ich mit flattr Schulden machen würde.
Recht herzlichen Dank.