Ich hab dann mal angerufen.

“Amt für Popokacka in Doofihausen, Frau Schmidtilein am Apparat, was kann ich für sie tun?”
“Hallo, ja, äh, hier nochmal Meckertnie. Ich hab vorhin schon mal angerufen”
“Ah, jaja. Wegen den Antrag auf Selbstaufgabe”
“Neee, ‘wegen des Antrags’.”
“Ja, das sagte ich – wegen den Antrag.”
“Ja, das sagten Sie.”
“Sagte ich doch.”
“Äh ja, und zwar hätte ich da nochmal eine Frage zu Zeile 11.”
“Moment mal, da muss ich schnell in meinen Computer reingucken. Momentchen, ja?”
“…”
“…”
“…”
“Zeile 11, ja?
“Ja, 11. ‘Begründung der Scheißigkeit’, steht da.”
“Steht bei mir auch.”
“Ja… Ja, Ich wollte nur schnell fragen, ist da eher die persönliche oder wie gesamtsituative Scheißigkeit gemeint”
“Momentchen, da muss ich in meinen Computer reingucken. Klitzekleinen Augenblick…”
“Jaja, kein Problem”
“…”
“…”
“Sooooo, also. Zeile 11- Begründung der Scheißigkeit. Informationen bezüglich Gründe des Antrags auf Selbstaufgabe”
“Persönliche oder eher gesamtsituative?”
“‘Gründe’, steht hier.”
“Ok, ja. Kann ich da dieses Telefonat auch mit aufzählen?”
“Hier steht nur ‘Gründe’.”
“Ja, alles klar. Danke…. Schön’ Tag noch.”
“Auf Wiederhören.”

Warum ich doch nicht die Astrid Lindgren bin, die ich werden wollte.

Als ich 10 Jahre alt war, und auch in den ca. 4 Jahren darauf, wusste ich genau, was ich mal werden wollte. Schriftstellerin nämlich. Die meisten, denen ich das erzählte, allen voran meine Mutter, fanden das doch ziemlich, nunja, unrealistisch. Mir war das egal, ich hatte den perfekten Plan. Ich wollte Abi machen, Deutsch studieren, als Journalistin arbeiten und nebenbei Bücher schreiben. Mit letzterem wollte ich so erfolgreich sein, dass ich nach spätestens dem dritten Buch aufhören könnte, irgendwelche langweiligen Artikel für Zeitschriften zu schreiben und mich voll und ganz auf meine Autorentätigkeit konzentrieren.
Wie gut ich wirklich war, oder ob mein Talent doch nur für ein “durchschnittlich” reichte, war dabei völlig egal. Es war das, was ich wollte, was ich liebte, alles andere spielte keine Rolle dabei.
In der Grundschule hatten wir einmal die Woche Literaturunterricht. Das tollste dabei war, dass wir in regelmäßigen Abständen eigene Geschichten und Sachtexte (insofern das in dem Alter eben möglich ist) verfassen durften.
Als ich in die 5. Klasse kam, wurde das Ganze durch echte Aufsätze ersetzt. Das war beinah noch fantastischer, denn nun durfte man nicht nur seiner Fantasie freien Lauf lassen, man konnte sogar echte Denkarbeit leisten. Das war etwas völlig anderes als die üblichen Klassenarbeiten, in denen man lediglich auswendig gelerntes Wissen wiedergab. Hier konnte man seine Meinung sagen, Lösungen für Probleme finden und, wenn man eine gute Deutschlehrerin hatte, hat sie sich dafür sogar ernsthaft interessiert. Jemand hat sich dafür interessiert, was ich denke!
Und nicht nur das, man durfte seine Gedanken in möglichst schöne Formulierungen kleiden, mit Worten spielen, einen Gedanken vom Kopf ins Herz bringen.  Man konnte veruchen den Leser zu fesseln, und wenn einem das gelang – man merkte es daran, dass der Aufsatz als gutes Beispiel bei der Auswertung vor der Klasse vom Lehrer mit dem ganz bestimmten Tonfall vorgelesen wurde – welche Macht hatte man dann? Man hätte einfach mittendrin abbrechen können und sie zappeln lassen.
Wenn wieder eine Erörterung angekündigt wurde, juckte es mich eine Woche lang in den Fingern, während meine Klassenkameraden verzweifelten. Ich konnte kaum es abwarten, ein gesellschaftliches Problem kreativ zu bearbeiten. Dieses Gefühl während des Schreibens, dass man allein durch gekonnten Umgang mit der Sprache die Welt verbessern könne – wie grandios war das denn bitte?!
Der Lehrer sagte etwas von Gedichtinterpretation und ich konnte in der Nacht vor der Klassenarbeit vor lauter positiver Aufregung nicht schlafen. Wenn man über fremde Gedichte schrieb, tauchte man ein in die Welt eines anderen. Das Denken des Dichters war immer ein neues Denken. Immer anders als das eigene, und wenn man darüber nachsann, konnte man unendlich weit in diesen fremden Kosmos eindringen. Und dann: es zusammenbringen, das Eigene und das Fremde. Ihnen zueinander passende Kostüme aus Worten nähen, mit diversen Abzeichen daran, die den Außenstehenden, die so oft rein gar nichts kapierten, die Bedeutung erklärten.
Und wenn man das passende Gedicht vor sich liegen hatte und die richtigen Formulierungen fand, konnte man all den Idioten da draußen direkt ins Gesicht sagen, wie unglaublich scheiße sie sind, und sie fühlten sich trotzdem geschmeichelt.
Und dieser leichte Stolz, wenn man einen Aufsatz noch einmal durchlas, noch ein bisschen daran herumwerkelte und schließlich feststellen konnte, wie wunderbar die einzelnen Worte sich verbanden, wie ein Gedanke in einen anderen überging. Wenn man wieder Formulierungen gefunden hatte, von denen man wusste, dass sie kein Klassenkamerad verwenden würde, weil sie ihrer schlichtweg nicht würdig waren…
Warum um alles in der Welt sollte ich etwas anderes machen wollen?

Ich weiß nicht mehr, woran es lag, aber irgendwann glaubte ich nicht mehr daran, dass meine perfekt durchgeplante Karriere funktionieren würde.
Trotz allem Widerstand, den ich in meiner Pubertät gegen sämtliche typisch bürgerlichen Vorstellungen hatte, trotz meiner Rebellion mit Leib und Seele gegen das, was meine Mutter von mir erwartete, zu sein, glaubte ich ihr und der Welt irgendwann, wenn sie mir sagten, dass das doch Nichts sei. Nicht, dass sie dafür gute Argumente gehabt hätten.

Es ist ja nicht so, dass ich meinen jetzigen Beruf hasse. Ich kann nur das Alltägliche nicht ausstehen. Das Unkreative. Die Kollegen, denen weder Grammatik und schöne Worte, noch das selbstständige Denken Spaß machen.
Und ich kann es nicht ausstehen, dass ich nicht mehr ehrlich blitzschnell “Astrid Lindgren” (geschweige denn irgendetwas anderes) antworten kann, wenn mich jemand nach meinem Vorbild fragt.

Who Am I?! This Is Me.

Ich bin ein Mensch, übrigens.
Zumindest vermutlich. Es ist ja bekanntlich immer alles so eine Definitionsfrage. Wenn ich mich so nach den äußeren, grundlegenden Merkmalen richte, bin ich wahrscheinlich einer. Wenn ich mich nach den inneren Merkmalen richte, bin ich mir nicht so sicher. Dann könnte ich auch ein Hund sein, oder eine Ratte, oder eine Gitarre oder ein … nein…kein Einhorn. Wenn, dann ein fliegendes grünes Pony.
Ja, wirklich mal, was für ein Tier wäre ich wohl, wenn ich ein Tier wäre? Was für einTier wäre ich wohl, wenn ich ein Mensch wäre? Was für ein Mensch wäre ich wohl, wenn ich ein Tier wäre?
Also wirlkich, dies bringt doch jetzt nichts hier. wir gehen also davon aus, ich sei ein Mensch,… der Einfachheit halber und damit wir jetzt hier mal ein bisschen vorankommen.
Ein homo dingsbums. Eher so ein bisschen gebildet.
Vermutlich jedenfalls. Es ist ja bekanntlich immer alles so eine Definitionsfrage. Zum Beispiel jetzt, mit wem man das vergleicht. Einige meiner Freunde sind jetzt eher so deutlich schlauer als ich, andere …äh…hatten eine schwierigere Kindheit (manche von denen sind sogar trotzdem ganz super). Oder meine Deutschlehrerin. Die war deutlich schlauer als ich, und das ist auch gut so, denn dadurch konnte sich mich etwas lehren, was ich noch nicht wusste. Aber jetzt weiß ich es ja. Also kann man das ja wohl auch vergleichen. Ich früher und Ich heute. Also ich mein’, wenn man jetzt rausfinden will, ob ich eher so ein bisschen gebildet bin.
Aber sie weiß bestimmt immer noch mehr, die Deutschlehrerin jetze wieder, als ich jetzt. Nur leider ist sie ja icht mehr meine Deutschlehrerin und das ist schade. Weil doch ich gerne noch ein bisschen mehr gebildet wäre. (Übrigens war sie nicht nur meine DEUTSCHlehrerin, sondern auch so in anderen Fächern. Da war sie auch immer ganz klug. Aber Deutsch war eben immer eines meiner Lieblingsfächer seit der 1.Klasse. Musik und Kunst noch, aber da hatte man oft Pech, was die Leher angeht. Deswegen sag ich jedenfalls “Deutschlehrerin” und nicht “Deutsch-und-Bewegungserziehung-und-Spiel-und-Kinder-und-Jugendliteratur-und-und-und-Leherin”. Wäre halt auch ein bisschen zu lang, so).
Und zum Bespiel so mit der Auffassung des Satzes, da könnte man auch definieren, ob ich eher so ein bisschen gebildet bin. Also ich meine, eigentlich der Phrase “eher so ein bisschen”. Bestimmt habt ihr das als so stilistisches Dings gelesen und wart euch sicher, ich denke, dass ich eigentlich ganz viel gebildet bin. Aber der eine oder die andere hat es vielleicht auch wörtlich gelesen, das “Bisschen”, und woher wollt ihr nun wissen, wie ich es gemeint habe, hmm?!
Und bestimmt kann man es zum Beispiel auch darüber definieren, ob ich mich jetzt gern bilde oder nicht. Das tu ich nämlich schon ganz schön. Ich sag immer, wenn ich an einem Tag etwas Neues gelernt habe (was eigentlich schon ein bisschen seltsam ist, denn etwas ALTES kann man ja irgendwie gar nicht so richtig lernen, weil doch, wenn es alt ist, dann kennt man es ja eben schon irgendwie und dann kann man es doch nicht mehr erlernen), also DANN hat sich der Tag gelohnt, sag ich immer.  Und man kann dann ja auch ganz schön stolz sein, wenn amn etwas weiß, das man vorher noch nicht wusste. und stolz-sein ist eher so ein gutes Gefühl. aber man kann es natürlich auch übertreiben. Nicht jetze mit dem sich-bilden, Mensch, mit dem stolz sein.
also, man kann es natürlich auch noch anders definieren, und dann käme man vielleicht zu dem Schluss, dass ich eigentlich ziemlich ungebildet bin, aber immerhin kann ich gut so tun, als wäre ich doch gebildet, weil ich extra für diesen Zweck das griechische Alphabet auswendig gelernt hab und auch “als” und “wie” richtig verwenden kann (das habe ich nicht extra für diesen Zweck auswendig gelernt, das mache ich aus Leidenschaft so).
Manche sagen, ich kann dies und das noch gut.
Vermutlich jedenfalls. es ist ja bekanntlich immer alles eher so eine Definitionsfrage. Ob man in was gut ist oder nicht, meine ich. Also nur weil ich besser Gitarre spiele als jemand, der erst einmal ne Gitarre in der Hand hielt, heißt das ja nicht, dass ich sonderlich gut bin, zum Beispiel. Es ist ja auch so, dass ich auch nicht zwangsläufig besser Gitarre spiele, als jemand, der erst einmal ein Klavier in der Hand hielt. (Das ergibt natürlich nicht sonderlich viel Sinn, dieser letzte Satz, das ist mir schon bewusst, aber um Sinn Und Unsinn geht es hier ja nicht. Naja, um letzteres vielleicht auch doch)
oder jetzt Zeichnen. Wenn der eine nie, nie übt, kann er ja nicht so gewohnt zeichnen wie ich. aber das heißt noch nicht, dass er schlechter wäre. Zum Beispiel wenn er das erste mal einen Menschen zeichnet, kann es viel besser sein, als mein erstes Mal, aber auch irgendwie nicht so gut, wie ich es jetzt tue. Nicht, dass das herausragend gut wäre, aber ihr versteh es schon. Oder jetzte schreiben. Dem einen gefällt’s und der andere denkt sich, ich habe einen anner Klatsche und man möchte ja jetzt keinem von beiden absprechen, dass sie recht haben, irgendwie. das könnten wir jetzt hier noch fortsetzen, diese Reihe mit dem Können und Unkönnen, aber ich muss gleich arbeiten gehen und da will ich den Blogeintrag hier noch beenden vorher.
Also, manche sagen zum Beispiel auch, dass ich jetzt einen guten Musikgeschmack hätte und das ich ohne Musik sterben würde und da haben sie auch irgendwie recht. Vermutlich jedenfalls. Also, was das mit dem Sterben angeht, das habe ich noch nicht ausprobiert und es ist mir auch irgendwie ein bisschen zu riskant, weil wenn ich dabei draufgehe, beim Sterben, dann hab ich ja auch bloß nichts mehr von der Musik.
Aber wo man jetze von ausgehen kann, dass sie recht haben, is der Punkt mit dem Musikgeschmack.
Das ist ja bekanntlich auch eher keine Definitionsfrage.

 

Bad Child Thought

The butterfly in your hands
isn’t as beautiful as you say.
Only one and a half wings,
not able to fly away.
The bad child thought it would be fun
to see it just bleeding.

The butterfly in your hands
isn’t as colourful as you say.
Seems to fade with every second,
in a minute it will be grey.
The bad child thought it would be fun
to stamp and jump on it.

The butterfly in your hands
isn’t as peaceful as you say.
A gun in the hand, just to be some-
one where you will not look away.
The bad child thought ot would be fun
to show it how to use.

You’re picking the flowers, the butterfly needs.
You clap in your hands where the butterfly sits.

The bad child thought it would be fun
to be like you.

nothing is real

Der Tag zerbricht in unzählige Scherben. Eine Milliarde Gedanken werden schlagartig in seinem Kopf geboren und drohen diesen zum zerbersten zu bringen. Das kann doch nicht real sein?
Sie macht nur einen Witz. Sonst wär sie doch nicht so ruhig dabei. Und diese Tränen, die sind doch nicht echt. Sie weint nicht. Er auch nicht. Niemand weint hier, warum sollten sie weinen? Für wen denn? Es ist doch alles nur ein Witz.
Heute morgen, als sie aufgestanden ist, war doch auch alles wie immer. Sie hat sich in aller Seelenruhe für den Tag fertiggemacht. Kaffee haben sie getrunken. Bestimmt hatte sie zuviel Kaffee, dann war sie immer zu den seltsamsten Späßen aufgelegt. Sie hatte bestimmt nur zuviel Kaffee. Wie ruhig sie den Koffer packt. Als ob sie nur kurz verreist. Die Hände zittern. Nicht ihre. Seine.
Warum lacht sie nicht? Es ist doch nur ein Witz. Sie meint das ja nicht ernst. Beinahe wär’ er darauf reingefallen. Nein, sie wird diesen Koffer jetzt nicht schließen. Sie geht auch nicht zur Tür hinaus. Nein.
Oh, sie ist gut, fast glaubt er es ihr. Aber ihre Liebe wird noch Jahre dauern.
Ihre Liebe ist nicht ausgelaufen, so ein Quatsch. Ein guter Scherz, aber er weiß ja, dass sie ihn braucht. All die lieben Worte können ja auch gar nicht einfach so ins Nichts verschwinden.
Gleich wird sie sich umdrehen und sie werden beide lachen. Es ist ja nicht real.
Sie konnte ihn ja schon immer gut reinlegen und wie sie jetzt davon spricht, dass sie ihn nicht liebt und dass sie viel Spaß haben wird ohne ihn, da weiß er, er braucht ihr gar nicht zuzuhören. Nur wieder so eine Rumalberei wie immer.
Warum nur zittern seine Hände so?

And in her eyes you see nothing,
no sign of love behind the tears
- cried for no one.
A love that should have lasted years.

Dunkelroter Buntlack

Ich denke mir eine Geschichte aus.

Da ist eine Landschaft in meinem Kopf. Umso genauer ich hinsehe, umso mehr scheint sie sich zu einem Wald zu formen. Eher so ein Mischwald mit hohem Nadeltbaumgehalt.
Da!! -Figuren. Nein, mehr Umrisse von Figuren, allein in einer Leere. Drei, vier.
Einer geht los. Plötzlich ist ein Weg in dem Wald. Die Figur hat jetzt eine blaue Jacke an, einen blauen Anorak, wie ihn mein Onkel kurz nach der Wende trug. Kurze braune Haare. Ja, ich glaube, sie sind braun. Ich kann ihn nur von hinten sehen, wie er da läuft, in ca 10 Meter Entfernung.
Eben hatte er glaube ich noch eine schwarze Jeans an, jetzt ist es eine dunkelbraune Kordhose. Ein bisschen beleibt ist er, aber nicht dick. Ein Mann im besten Alter, wie man so schön sagt.
Die anderen Figuren sind verschwunden. Ich weiß nicht wohin. Es ist auch egal, sie haben ja nie existiert in dieser enstehenden Geschichte.
Also der Mann mit dem blauen Anorak und der Kordhose geht diesen Waldweg entlang. Er braucht einen Namen. Wenn er einen Namen hat, bekommt er eine Persönlichkeit.
Hallo, Moment mal, wie heißt du??
Der Mann mit dem blauen Anorak dreht sich um. In diesem Moment bekommt er sein Gesicht. Ein bisschen verdatter schaut er mit seinen dunklen Augen. Sein Gesicht ist gezeichnet von einem unsittlichem Leben. Er sieht ein bisschen müde aus, hat Augenringe. Blass ist er nicht, aber auch nicht gerade braun gebrannt. Sonst nichts Auffälliges, spröde Lippen, kein Bart.
“Was?” Ich glaube, er ist überrascht, angesprochen zu werden
Wie heißt du? Du brauchst doch einen Namen, wie soll ich sonst die Geschichte erzählen?
“Ich brauche keinen Namen!” Das sagt er nicht trotzig, er sagt es zögernd und unsicher. Aber nun auch nicht mit einem Wanken in der Stimme, dass man denkt, er bräuchte vieleicht doch einen Namen und weiß es nur nicht.
Es ist relativ dunkel. Ich beschließe aber, es ist nicht Nacht. Es ist ein gewittriger Donnerstagnachmittag.
Da ist es, das Grollen am Himmel, das ich für diese Szene gern hätte. Aber kein Regen, nur ein langezogener, mittellauter Donner. Während ich das berichte, ist in der Geschichte natürlich nicht eine Sekunde vergangen, und deshalb dreht sich der Mann mit dem blauen Anorak und der Kordhose auch jetzt erst um, und geht zögerlich weiter.
HEILIGE SCHEIßE, was ist mit seinen Händen? Ist das Blut? Wird dies hier eine Gruselgeschichte??  Seine Hand steckt ziemlich weit in den Anorakärmeln, es sind nur die Finger, so in etwa ab dem Gelenk in der Fingermitte, zu sehen. Da klebt etwas Dunkelrotes an ihnen. Nicht flüssig, aber man kann erahnen, dass es flüssig war, als es an seine Hände geriet.
Es ist kein Blut, es ist Buntlack. Dunkelroter Buntlack.
Wo will er hin? Er wirkt, als hätte er schon einen weiten Weg hinter sich, geht ein bisschen gekrümmt -nicht so gekrümmt, dass man denkt, er würde bald sterben, aber eben auch nicht so aufrecht, als machte e sich gerade frohen Mutes zu einem erholsamen Spaziergang auf. Seine Füßen schlürfen über den weichen, mit vertrockneten Tannennadeln bedecken Waldboden.
Wo willst du hin, Mann mit blauem Anorak und Kordhose?
“Wohin du willst!” Jetzt war da aber schon ein ganz, ganz bisschen Trotz in seiner Stimme. Er ist genervt, weil er endlich wissen will, was es mit ihm auf sich hat.
Er geht auf eine Waldlichtung zu. Hier ist es ein bisschen heller. Das kniehohe Gras ist teils dunkelgrün, teils gelbich-hellbraun. Jetzt hat er einen Regentropfen abbekommen. Er landete in seinem Gesicht, direkt unter seinem linken Auge. Von ihm aus gesehen. An der Stelle, an der der Tropfen seine Wange hinunterläuft, ist die Haut eine Nuance dunkler und glänzt. Es sieht aus wie eine Träne. Was macht er jetzt? Er kniet nieder, stützt sich zur rechten Seite und legt sich schließlich auf den Rücken. Die Arme liegen gerade an den Seiten, mit der Handfläche nach unten. Die Ärmel sind jetzt ein klein wenig hochgerutscht und man kann seine Hände etwas besser sehen. Auch die Beine liegen ganz gerade, überschlagen sich nicht. Die Zehenspitzenin seinen schwarzen Herrenschuhen zeigen steif nach oben. Er liegt da, als ob jeden Moment jemand käme und seine Liegeposition kontrolliert. Ein bisschen angespannt auch.
Das hohe Gras um ihn herum lässt ihn fast verschwinden, so, wie wir jetzt aus der Vogelperspektive auf ihn schauen, aber der blaue Anorak ist klar zu sehen.

Und in dem Moment, als es wirklich anfängt zu regnen,
wird die Geschichte beginnen.

Für ein bisschen Funken-sprühen.

Ich habe mich verheizt.

Meine Gedanken angebrannt
Für ein bisschen wärmende Aufmerksamkeit.
Meine Sprache verbraten
Für ein bisschen zündelnde Anerkennung.
Meine Musik angekokelt
Für ein bisschen hitzige Diskussionen.
Meine Gefühle gefeuert
Für ein bisschen brennenden Schutzwall.
Meine Persönlichkeit ausgeräuchert
Für ein bisschen brandstiftende Illusion.

Mir war eben kalt.

“An Anna Blume”…. Es könnte beinahe eine Interpretation sein… Oder -nein, doch nicht.

Ist das wirklich nötig? Ausgerechnet Schwitters “An Anna Blume”? Ich HASSE Dadaismus (allermeistens).
Andere dürfen “Du und wieviele von deinen Freunden” rezensieren und wenn ich Lust habe, nach einiger Zeit, in der man den einstigen Deutsch-Unterricht schmerzlichst vermisst, mal endlich wieder ein Gedicht interpretieren zu “müssen”, erlegt ihr mir gleich “An Anna BLume” auf?
Mein Glaube an das Gute im Menschen ist hiermit endgültig versiegt.
Das nächste mal (was? wovon tippe ich da? Meine Finger wissen schon wieder mehr als mein Kopf) schlage ich einen Poeten vor und ihr dürft nur das Gedicht auswählen.
Jedenfalls- ja, jetzt ist es nötig.
Also Fresse halten und zuhören hier erstmal. (Und wenn fertich, versuchen wir es, ja)?


“Wer bist Du, ungezähltes Frauenzimmer, Du bist, bist Du?”
Wer bist Du, Anna Blume? Ein Gedanke? Ein Gefühl? Einse simple Aneinanderreihung von Silben? Eine Melodie? Gar eine Frau? Oder doch ein Gewächs? Etwas Hässliches? Etwas Wunderschönes? Nichts weiter als ein karikierendes Fantasiegebilde?
Bist du überhaupt, Anna Blume? Und wenn ja, wie viele?
Ich stelle eine These auf, Anna, lies gut mit. Ich sage, du bist jedes verdammte Wesen, über das jemals ewas Verliebtes geschrieben wurde. Jedes verdammte Wesen, das sich wünscht, es wäre einmal etwas Verliebtes über es geschrieben worden.
Noch eine These, Anna. Du bist perfekt. Wesen, über die Verliebtes geschrieben wird, sind so. Kein Makel. Die weibliche Perfektheit in Versen.
Fähig, jemanden seiner 27 Sinne zu berauben, der nur 5 hat. Fähig, jeden dieser Sinne zu liebkosen, ob er nun existiert oder nicht.
Und Anna – man möchte dich kennen. Du verdrehst den Poeten die Worte und den Menschen den Kirchturm. Anna, du machst es anders als die anderen, trägst deinen Hut auf den Füßen und läufst auf den Händen.
Mehr noch, Anna Blume- man möchte DU sein. Man möchte ROT sein. Gefährlich, auffallend, verführerisch, impulsiv, warm, mutig. So rot, dass jeder ein verdammtes Liebesgedicht über einen schreibt.
Und doch, du bist eine von uns, du “schlichtes Mädchen im Alltagskleid”. Du glänzt, du leuchtest, strahlst, tanzt in allen Farben, die der Dichter liebt. Grün, weiß, gelb, blau, Anna.
Und wieder verdrehst du ihnen die Worte in den Versen. “Du  deiner dich dir”.
Alles muss vor deiner Schönheit niederknien. Jeder Satz muss zerbersten, jede Form aus den Fugen raten, niemand kümmert sich mehr um Ordnung, wenn er nur auf dich sehen kann, “Du Herrlichste von allen”. Alles andere ist unwichtig neben Dir, Anna.
Doch schon der Klang deines Namens bringt jeden in in himmlische Sphären, in denen das Atmen schwer fällt:
Anna, Anna, Anna.
Anna, dein Name schmiegt sich an und füllt alle Lücken wieder. Dein Name macht schön. Dein Name streichelt. A—N—N—A. Man kann es drehen und wenden wie man will, rückwärts und vorwärts bleibst du doch ANNA. Auf dich ist eben Verlass.
Welche Farbe hat dein Vogel? Wir wissen es nicht, Anna Blume. Wir wissen, dass du rot bist. Rot. Alles andere können wir nicht sehen. Welcher Vogel? Welche Farbe hat der Vogel? Du weißt es. Du weißt alles, nicht wahr?

Anna, wir lieben dir.   Jeder hier liebt dir, Anna.

Nur Er nicht.
(Er denkt, jemand, der von allen geliebt wird, hat etwas falsch gemacht.)
Anna Blume, Er lacht über Dich.
“Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, —– wir?”
Er lacht über Uns.

Einma Lyrik mit Episches, bitte.Wieviel, 2Mark?…Euro, mein ich ja. Danke, ihn’ auch.

Aufwachen

Blinzeln
Realisieren wo man ist
achnurnochfünfminuten…

Umdrehen
Augen wieder schließen
Ruhedadraußenichwillhiernochschlafen!

Wachliegen
Sich hin und her wälzen
Wasschonsospät?

Wählen
Liegenbleiben oder Aktivwerden
Najaichwürdjaaberhmmwasmachstdudenn?!

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Klingelingeling

Die Frau kommt langsam und bedächtig aus dem Haus, aus dem die Eierdealerin zum Abschied winkt. Beehren Sie uns bald wieder. Ihr Blick ist fest auf die große Eierpappe in ihrer Hand gerichtet. Wofür braucht man bitte zwanzig Eier? Ihr Männchen sitzt brav wartend im Auto. Jetzt regt er sich. Er öffnet die Tür, um ihr zu Hilfe zu eilen. Und man ahnt es schon. Zu viel Schwung!

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Vom Grinsen

“Warum grinst du so doof?”, hat er gefragt.
Hallooo?! Ich grinse doch nicht doof. Ich lächle freundlich. Warum ich doof grinse, also wirklich!
“Normalerweise…”, man höre und staune – er kennnt ein normalerweise. Ich kenne das nicht, höchstens ein durchschnittlicherweise. Wie man normal definiert, hab ich vergessen Durchschnitt kann ich. Die Summe aller Summanden durch die Anzahl der Summanden. NEIN, das habe ich natürlich nicht auswendig gelernt. Das habe ich mir gerade logisch hergeleitet. Warum sollte ich denn um alles in der Welt sowas auswendig lernen?! Guten Tag auch.
“Na normalerweise muss ich erst…” So?? Naja, dann kennst du eben keine Leute, die freundlich genug sind auch mal grundlos zu lächeln. So einfach ist das.  Willkommen in der Welt der grundlos freundlich lächelnden Menschen. Ich zeige sie dir. Keine Angst, wir sind nicht allzu viele hier. Dein Zeitplan wird schon nicht durcheinander geraten.
Ich und meine Welt…Überhaupt nicht wahr, daran habe ich gar nicht gedacht!! Ich kann auch manchmal reden ohne zu zitieren, klar? Man kommt heut’ aus dem Hören und Staunen nicht mehr heraus, ich merke schon…
“Na, macht dich aber sympathisch.” Ahja? Merke: doof grinsen=sympathisch; schlau lächeln=arrogant (wahrscheinlich). Oh, pardon, wir wollten doch nichts auswendig lernen. Hätte er aber auch gleich fragen können “Warum grinst du so sympathisch?”

[Ich möchte hiermit darauf hinweisen, nicht zu vergessen, was man mal im Deutschunterricht über das Verhältnis von Ich-Erzähler und Autor gelernt hat.
Auch, wenn sich dieser Text stark an die Realität anlehnt - es bleibt Fiktion.
Nicht, dass hier nachher noch jemand beleidigt ist ]

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Aber schon bunt

Ein bisschen zu schüchern betritt sie den Laden
Bleibt erst vorsichtig stumm
Und schaut sich suchend um
In ihrem Gesicht mehr als eintausend Fragen.

Kann ich ihnen behilflich sein?
Ja, ich suche etwas
so für ein besseres gefühl
zum seele erheben und sich erfreu’n.
Ja, verstehe, wir hätten hier
ein album mit poesie oder
diese magischen räucherstäbchen.
Nein, ich meine etwas womit
ich mich
selber
mehr spür’
das mich radikaler macht und
aufregend und zu einem menschen der
weiß, wer er ist
nicht braun, nicht rot, auch nicht zu knallig
aber schon bunt.
Also wir hätten hier dieses
probieren sie doch mal, die meisten
sagen, es hätte ihr leben komplett verändert
wohl nichts mehr zu spüren von dem alten das mies is’.

Und man sieht, wie sie eilends den Laden verlässt
Ängstlich wankend und blass
Das wär doch schon zu krass
Wenn sie sich jetzt ihr Leben ganz verändern lässt.

Intelligenz-Boykott

Ich habe ein neues Lieblingswort:

„Intelligenz-Boykott”.

Man kann dieses Wort nämlich verwenden, ohne Gefahr zu laufen, dass der Betroffene es versteht.

Das Boykottieren von Denkvorgängen scheint ja zurzeit groß in Mode zu sein. Ein neuer Geheimbund wahrscheinlich, dem sich täglich mehr Leute anschließen.

Ich persönlich kann es ja nicht ganz nachvollziehen, um ehrlich zu sein.

Was ist so anziehend daran, nicht die Hauptstadt von Deutschland zu kennen (nein, es ist NICHT Magdeburg!!) oder nicht zu wissen, wer doch gleich Konrad Adenauer war?! Und wie viele Bundesländer hat Deutschland? Heißt es „Gras” oder „Grass” (vielleicht ja „Graß”!!!!) ?  Überhaupt, man muss doch schon übermäßig intelligent sein, wenn man weiß, dass Bergarbeiter „Kumpel” heißen oder was eine Schicksalswende ist, nicht wahr?!

Im Ernst: Ich hätte kein Problem damit, wenn mein zukünftiges Klientel in der Kinderkrippe so etwas nicht weiß. Die Kids können „Intelligenz” ja noch nicht mal sprechen, und das müssen sie auch nicht.

Aber als jemand, der von sich meint, diesen etwas beibringen zu können, sollte man doch vielleicht schon über den Intelligenzquotienten einer Büroklammer mit Augenbrauen hinaus kommen.

Eigentlich liegt es mir fern, so bösartig zu lästern.

Ein klein wenig versteh ich es ja doch:

Nicht zu denken kann einem das Leben nun mal herrlich versüßen, stimmt’s?   Man sagt schließlich auch nicht umsonst, man müsse den Kopf frei kriegen, wenn man stark gestresst ist. Und wenn dann der Kopf sowieso schon ganz leer ist – na klasse!

Eigentlich kann ich Stress ja auch gar nicht leiden, ich meine…er ist so… stressig, eben.

Wenn ich so darüber nachdenke, werde ich wohl ab jetzt auch mit dem Denken aufhören und die Welt interessiert mich schon seit 2 Minuten nicht mehr.

Bis dann, ihr findet mich im geheimen Clubraum der Intelligenz-Boykottierer.

Susäh